ARIODANTE
Opera Seria von Georg Friedrich Händel
Libretto Antonio Salvi nach „Orlando Furioso“ von Ludovico Ariosto
Uraufführung 1735 Covent Garden London
ARIODANTE gehört zu Händels letzten Opern, die er für sein eigenes Theater in London schrieb. In den 1730-er Jahren schuf er am Ende seiner Emanzipationsversuche mit eigenen Opernhäusern einige wenige Meisterwerke, die gewissermaßen ein Resümee der Gattung Oper und einen einzigartigen Höhepunkt neuartig verinnerlichter Kunst mittels der Koloraturarie, barocker Kompositionsarchitektur und der Oper alten Stils darstellen. Bewusst stellte sich Händel mit diesen Werken stilistisch und inhaltlich quer zur Mode und zum Zeitgeist, sie sind Abschied und Griff in die Zukunft zugleich. Bevor er durch die italienische Konkurrenz und den veränderten Geschmack der Zeitgenossen sein Geschäft und sein Publikum verlor und nur noch Oratorien komponierte, für die er von da an vom aufstrebenden Bürgertum beispiellos in London gefeiert wurde, verewigte er in den Figuren seiner Opern ALCINA oder ARIODANTE anachronistische Außenseiter, die in die aufkommende bürgerliche Gesellschaft nicht mehr hineinpassen sollten. Mittels außerordentlichem musikalischem Reichtum formt Händel komplexe und widersprüchliche Charaktere, die alle Abgründe und Höhen des Menschlichen ausloten, jenseits Moral und Logik und nur dem Augenblick folgend, nach dem Vorbild jenes Orlando Furioso, des aus Liebe Rasenden, den keine Vernunft bezwingen kann. Die in Vergessenheit geratene Partitur wurde in den 1960-er Jahren im Zuge der Händelrenaissance wiederentdeckt und die rasante Entwicklung der Aufführungspraxis-Forschung macht es heute möglich, diese Oper als Avantgarde-Werk in Interpretationen von Weltrang zu erfahren.
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